27 Jan. BG12-4 im Jungen Ensemble Stuttgart
„Wörter sind nicht, was ich in mir fühle!”. Mit diesem Satz begann für uns der Theaterbesuch im Jungen Ensemble Stuttgart. Am Donnerstag, den 06.11., besuchte der Deutsch-Leistungskurs von Frau Sagi im Rahmen einer GFS das Theaterstück „Blutbuch“. Das Stück basiert auf dem gleichnamigen Roman von Kim de l’Horizon und behandelt aus der Ich-Perspektive Themen wie Identität, Familiengeschichte und Selbstfindung. Der Theaterbesuch war dabei alles andere als gewöhnlich: Wir befanden uns gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern im selben Raum und saßen rund um das Bühnenbild. Dadurch wurden wir immer wieder aktiv in das Geschehen einbezogen. Plötzlich fiel ein Meer von oben auf eine Schauspielerin. Eine blaue Stoffbahn verwandelte den Raum in Wellen und wirkte meditativ. Auch das Verschlucktwerden durch ein Sofa, das anschließende Wiederauftauchen mit einer Gitarre und das tänzerische Imitieren der Eltern auf der Bühne blieben im Gedächtnis. Es wirkte, als sei auf der Bühne alles möglich.
Ein weiteres Highlight waren die leuchtenden Schachteln, die beim Öffnen geheimnisvoll zu strahlen begannen. Gegen Ende gestalteten wir gemeinsam mit den Schauspielerinnen und Schauspielern eine neue Szenerie mithilfe von acht Stangen, die auf den Zuschauerbänken verteilt waren. Dabei entstanden ästhetische Bilder aus CDs, Kindheitsspielzeugen, Rosen und zerrissenen Buchseiten, was zum mutmachenden und poetischen Abschluss des unkonventionellen Stücks beitrug. Im Anschluss erhielten wir von zwei Theaterpädagoginnen eine Nachbesprechung. Wir zeichneten das Bühnenbild aus unserer Erinnerung nach, stellten Schlüsselmomente dar und bastelten kleine Schachteln, ein Symbol für das familiäre Erbe im Stück. Außerdem konnten wir Fragen zur Inszenierung stellen und unsere Eindrücke teilen. Alles in allem waren es zwei sehr inspirierende und lehrreiche Stunden, die zum Nachdenken und Reflektieren einluden. Am Ende blieb die Frage: Können wir unser Erbe neu schreiben oder tragen wir es immer in uns?
Text: Hiba Khder, BG12-4 Bilder: Dorothea Sagi