“Was ist Heim?” – Zwischen Beständigkeit und Verlust im Theater der Altstadt

Am 16.01.2026 besuchte der Deutsch-Leistungskurs von Frau Sagi (BG-12-4) das Theater der Altstadt, um die Inszenierung der Pflichtlektüre “Heimsuchung” zu sehen. Der Roman von Jenny Erpenbeck ist Doris Kaplan gewidmet, einem jüdischen Mädchen, das im Alter von zwölf Jahren während der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurde. Das Theaterstück befasst sich mit individuellen Lebensgeschichten, die von historischen Umbrüchen geprägt sind. Schauplatz dieser Schicksale ist das Haus am Scharmützelsee, in dem fiktive und biografische Hintergründe aufeinandertreffen. Die Inszenierung stellt rund 100 Jahre deutsche Geschichte dar und hält sich dabei eng an die Romanvorlage. Besonders eindrucksvoll gelang die Visualisierung der zentralen Motive. Während die Bewohner des Hauses wechselten, verrichtete eine Gärtnerin im Hintergrund kontinuierlich ihre Arbeit. Als zeitlose Konstante verdeutlichte sie die Beständigkeit des Ortes gegenüber der Vergänglichkeit menschlicher Schicksale. Zudem wurde das Thema Heimat und die damit verbundene Identität durch Projektionen von Phrasen wie “ich kehre heim” direkt auf das Bühnenbild für das Publikum greifbar gemacht. Nur vier Schauspieler verkörperten durch geschickte Kostümwechsel die Vielzahl der Figuren. Die gelungene Bühnenadaption und Inszenierung ermöglichten dem Kurs einen vertieften Einblick in das Leid der Figuren vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte. Jenny Erpenbecks “Heimsuchung” erweist sich somit als ein bedeutendes Werk zur Stärkung der Erinnerungskultur.

Text:  Aleksandra Lazarova, BG-12-4                       Bilder: Dorothea Sagi