21 Juli Manchmal wird ein Name plötzlich lebendig.
Jeden Tag gehen Schülerinnen und Schüler an der Hedwig-Dohm-Schule an diesem Namen vorbei. Gestern Abend bekam er eine Stimme.
Die Theater-AG brachte „Die Ritter vom goldenen Kalb“ auf die Bühne – eine Komödie, die Hedwig Dohm 1879 geschrieben hat. Kurios, wie wenig dieses Stück gealtert ist.
Hedwig Dohm gehörte zu den ersten Frauenrechtlerinnen Deutschlands. In ihren Komödien ging es aber um weit mehr als die Rolle der Frau. Mit feiner Ironie nahm sie eine Gesellschaft aufs Korn, in der Geld, gesellschaftliches Ansehen und der schöne Schein häufig mehr galten als Charakter, Bildung oder Haltung. Manches verändert sich. Der Mensch offenbar weniger.
Genau darin lag die Stärke dieser Inszenierung. Der Text wurde ernst genommen, gleichzeitig aber mit großer Leichtigkeit in die Gegenwart geholt. „Run Boy Run“ und „My Heart Will Go On“ wirkten nicht wie Fremdkörper, sondern schlugen eine Brücke zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert.
Noch beeindruckender war etwas anderes: Wie wenig es braucht, um gutes Theater entstehen zu lassen. Ein paar Perücken, einfache Requisiten, keine aufwendigen Bühnenbilder. Entscheidend waren Ideen, Spielfreude und Menschen, die Lust hatten, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Genau das macht unsere Theater-AG seit Jahren aus.
Ein großes Kompliment an Lena Lavallée und Anna Gentner, die Hedwig Dohms Komödie mit Gespür, Witz und viel Kreativität inszeniert haben – und natürlich an alle Schülerinnen, die den Abend getragen haben.
Vielleicht müsste Schule viel öfter zeigen, was in ihr steckt. Nicht nur Unterricht, Klassenarbeiten und Noten gehören dazu. Schule ist auch der Ort, an dem junge Menschen entdecken, dass Literatur mehr sein kann als ein Kapitel im Lehrbuch. Dass Gedanken aus dem Jahr 1879 auch 2026 noch ein Publikum zum Lachen bringen – und gleichzeitig zum Nachdenken.
Nach diesem Abend wird Hedwig Dohm für viele nicht mehr nur der Name über dem Schuleingang sein.
Verfasserin: Juliane Becker




